DER LIFTVERWEIGERER


von Bengt Ahlfors deutsch von Regine Elsässer

Mit wem rede ich eigentlich! Diese Frage ist nicht nur symptomatisch für einen Schauspieler, der einen Monolog vortragen soll: Das Problem mit einem Monolog ist, dass man sich einen Gegenspieler vorstellen muss. Den es nicht gibt. Jemanden, der zuhört, aber nichts sagt. Warum sollte man sonst reden? Die Frage stellt sich auch mancher ältere Mensch, der vielleicht alleine zurückgeblieben ist, dessen Freunde und Bekannte sich bereits verabschiedet haben. Mit wem rede ich?
Natürlich kann man mit seinem Hund reden, wie das der Mann ohne Namen in Bengt Ahlfors Stück Der Liftverweigerer solange tat, bis der Hund Kafka auch zu Tode kam. Doch dann findet er einen anderen Gesprächspartner, den Aufzug, er nennt ihn ENOK und sprichtortan mit diesem. Der Mann wendet sich ans Publikum und meint: Vielleicht finden Sie es ein bisschen blöd, mit einem Lift zu reden, aber Tatsache ist – und das bleibt jetzt bitte unter uns – dass ich seit Kafkas Tod mehr mit dem Lift als mit sonst jemandem gesprochen habe.

Foto: piccolo teatro - haventheater

Foto: piccolo teatro – haventheater

In seiner Küche, in der seit den zwanziger Jahren, als das Haus gebaut wurde, niemand anders als seine Eltern und er gewohnt haben, lebt und erzählt der Mann von seinem Leben, von seiner Jugend und vom Altern. Von der Einsamkeit und ihrer Bewältigung. Ohne Larmoyanz und ohne Schmerz kommt diese Geschichte daher, eher ein wenig selbstironisch und mit leisem Humor. Es ist ja eine alltägliche Geschichte, die nicht im Bereich der Sensationen angesiedelt ist. Die jeder, der schon Erfahrungen mit dem älter werden gemacht hat, auch als seine erkennen kann. Michael Schories spielt diesen Mann, einmal schrullig und skurril, einmal in sich gekehrt und nachdenklich, um im nächsten Moment temperamentvoll und lustvoll eine weitere Wendung in seinem Leben zu berichten. Unter der sensiblen Regie von Stefan Rogge, er inszenierte am piccolo teatro 2012 Josef und Maria und 2013 am Stadttheater Bremerhaven einen Liederabend mit Sascha Ickxs, zieht Schories alle Register seines Könnens.
Nach der Vorstellung bietet das piccolo teatro eine kleine Gesprächsrunde an – das Publikum soll einen Raum finden, in dem nicht nur Theater gespielt wird, sondern auch Kontakte gepflegt, Gedanken ausgetauscht, neue Bekanntschaften gemacht werden können.

Premiere ist am Samstag, 7. November um 20.00 Uhr Weitere Vorstellungen sind am 8., 13., 14., 15., 20., 21., 22., 27., 28., 29. November

Auch im Dezember wird jeweils von Freitag bis Sonntag gespielt, Vorstellungsbeginn Freitag und Samstag um 20.00 Uhr Sonntag 18.00 Uhr

Karten sind zu bestellen unter der Rufnummer 0471 – 4838777 oder per Mail an info@haventheater.de