Die Gräfin geht an Bord


Meine Eindrücke zur Premiere der Operette „Gräfin Mariza“

Glückwunsch an den Regisseur Angar Weigner! Meine Bedenken, dass man die ungarische Puszta nicht an Bord eines  Auswanderschiffes verlagern kann, wurden eindrucksvoll widerlegt. Dazu ein großartiges Bühnenbild, wo sich während der Überfahrt die Szenarie  gleichzeitig auf Ober- und Unterdeck abspielt. Eindrucksvoll auch die Silhouette der Freiheitsstatue sowie der Blick auf Manhattan bei der Ankunft in New York.

Schauspielerisch und gesanglich traten vor allem die Hauptdarsteller Katja Bördner als Gräfin Mariza und Tobias Haaks als Graf Tassilo hervor. Das Stadttheater Bremerhaven kann sich glücklich schätzen, den großartigen Tenor von der Braunschweiger Bühne wegengagiert zu haben. Auch Oliver Weidinger als schwuler Lebemann glänzte in seiner Rolle. Herrlich erfrischend der Kinderchor vor der Abfahrt in Bremerhaven und auch die sechs Tänzer mit peppiger Musik konnten gefallen.

Intelligent baute der Regisseur seine Dialoge zwischen den Gassenhauern von Emmerich Kálmàn. Nur im dritten Akt überwiegten die Texte, sodass man sich in einem Schauspiel wähnte. Da kam die Musik zu kurz.

Alles in allem eine hervorragende Inszenierung. Allerdings sollte der Dirigent Hartmut Brüsch vor den nächsten Vorstellungen noch einige Übungsstunden mit seinem Orchester einlegen.

Noch etwas zum Verhalten des Publikums bei Premieren. Der Erfolg von Bühnenstücken wurde traditionell an der Zahl von „Vorhängen“ gemessen. Bei der „Gräfin Mariza“ gab es zwar langanhaltenden Beifall, doch sprangen die meisten Besucher wie elektrisiert von ihren Sitzen, nachdem sich der Vorhang zum ersten Mal geschlossen hatte.  Unwillkürlich wähnt man sich in einem Flugzeug bei der Landung auf chinesischen Flughäfen. Sobald die Räder des Jets Bodenkontakt haben, springen die Chinesen von ihren Sitzen, um ihr Handgepäck aus den Lockern an sich zu reißen.

Thomas Pfeifer

 

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