Schön war die Zeit mit Dir

Liebe Marietta,

im Namen unserer Mitglieder danke ich dir für deinen unermüdlichen Einsatz für die Volksbühne Bremerhaven und damit auch für dein geliebtes Stadttheater.

Ich erinnere mich noch gut daran, als unser 1. Vorsitzender Uwe Stettner und ich 1994 zurücktraten und sich alle fragten: Was nun? Wird Marietta die Verantwortung übernehmen?
Wir bauten auf deine Liebe zum Theater und auf deine persönlichen Kontakte zu den Theaterschaffenden und waren froh als du sagtest: Ich mach es – aber nur, wenn ihr mich kräftig unterstützt!  Dir das zu versprechen fiel uns allen leicht, weil du es uns durch deine aufgeschlossene, freundliche Art auch leicht gemacht hast. Ich vertrat dich als 2. Vorsitzender im Landesverband bremischer Volksbühnen und weiß noch, als du stolz berichten konntest, dass es dir in deinem 1. Jahr gelungen war, die Mitgliederzahl auf über 1400 zu erhöhen. Das hast du erreicht, weil du in der Lage bist, dich anderen Menschen zuzuwenden und sie für das Theater zu begeistern.

Dabei sprachen die Zeichen der Zeit dagegen. Die uninteressant gewordene Art Theater, die Verlagerung von Inhalt auf die Form (das sogenannte Regietheater) führte zu Zuschauerverlusten.  Die wirtschaftliche Krise der Städte und Länder nach der glücklichen Wiedervereinigung war gerade für die Theater existenzgefährdend – wir wissen alle noch, dass unser Theater als Mehrsparten-Theater gefährdet war oder gar nur noch als Zweigstelle des Bremer Theaters geführt werden sollte.  So warst du mit deinem Vorstand aufgerufen, die Wiederbelebung des Zusammenspiels zwischen Theater und Besucherorganisation zu versuchen.

Da war es ein Glück für uns, dass du über ausgesprochen gute Kontakte zu den Theatermachern verfügtest. Schließlich warst du seit 20 Jahren Mitglied des Extrachores und der Liedertafel.  Dir lag stark daran, den Kontakt zu den Künstlern zu erhalten, möglichst oft für unsere Mitglieder vor den Vorstellungen ansprechbar zu sein oder auch privat das persönliche Miteinander zu leben.

1994 – alles wurde eben alles anders: Du übernahmst (erstmalig eine Frau!) die Führung der Volksbühne, Peter Grisebach wurde neuer Intendant und das sterbende Ballett erlebte mit Ricardo Fernando eine grandiose Wiedergeburt.  Für die Mitglieder wurde der Wechsel u.a. dadurch sichtbar, dass das bisherige Informationsheft „Sans Souci“ vom neuen Spielzeitbegleiter abgelöst wurde.

Mit deiner spontanen, manchmal eigenwilligen Art hast du es dem Vorstand zuweilen schwer gemacht, dir zu folgen –aber dein freundliches, quirliges Wesen hat kleine Irritationen schnell verscheucht. Leider war es dir nicht vergönnt, dein eigenes Ziel zu erreichen:

Der Chor des Stadttheaters

Du wolltest mehr als 1500 Mitglieder für das Theater gewinnen.  Du kannst dich als Ehrenamtliche aber damit trösten, dass auch die Profis nicht erfolgreicher waren. Solange übergroße Teile der Bevölkerung keine Beziehung zum Theater haben, müssen wir uns auch weiterhin bemühen, diese Massen zu erreichen.  Du hast mit dem Vorstand unermüdlich für „deine“ Volksbühne und das Theater gewirkt, hast den Kontakt zu den Künstlern gepflegt und so kam es nicht von ungefähr, dass viele Künstler mit dir und bei dir deinen 70. Geburtstag feierten.  Das von dir angeregte Kuchenbüfett am Theatertag zu Beginn jeder Spielzeit ist weit über die Volksbühne hinaus bekannt.  Wenn du nun – nach 18 Jahren aktiver Arbeit für unsere Mitglieder und unser Stadttheater – die Führung der Volksbühne in jüngere Hände übergibst, tust du das nicht aus Enttäuschung darüber, dass die Mitgliederzahl auf unter 900 geschrumpft ist, sondern in der Gewissheit, dass du privat stärker eingebunden sein wirst und dass du „deine“ Volksbühne an einen engagierten Vorstand übergibst.

Liebe Marietta –

Du hast dich nicht verbiegen lassen oder anderen nach dem Mund geredet. Du bist immer Marietta geblieben.

Heinz Böcke

Marietta Mackeprang war von 1994 bis 2012 Vorsitzende der Volksbühne Bremerhaven und wurde bei Ihrer Verabschiedung zur Ehrenvorsitzenden ernannt.